Hochwürden Schönborn, Kardinal,

nicht rabiat, nicht radikal,

war schon als junger Mann entsetzt,

wenn man sich keine Grenzen setzt.

 

Als Achtundsechziger wollt er nicht,

dass Gegner man zusammendrischt.

Das ist sympathisch, weil emphatisch,

Katholisch, aber nicht fanatisch

 

Hat Mut genug, es zu gestehen,

sobald er etwas übersehen.

Ist lieber noch ein weiches Ei,

als Proponent von Narretei.

 

Von Ratzinger prädestiniert,

den KKK er kompiliert.

Da sammelte sich manches an,

was schwierig man verdauen kann.

 

Er ist kein echtes Alphatier,

was überaus sympathisch mir.

Ist deshalb Papst auch nicht geworden.

Hat also nicht zu viel verdorben.

 

Als Hirte ist er oft allein,

darf trotzdem allzu klein nicht sein.

Von altem Adel, missionarisch,

und hochgelehrt, nicht proletarisch.

 

Er duldet allerhand  Kritik,

entgeht des Peters Grundprinzip:

Er klettert nicht zu weit hinauf,

damit die Kompetenz reicht sicher aus.

 

Gott wohlgefällig ist ein Christ,

der demütig statt tollkühn ist.

Sei lieber nicht zu still und stur,

dafür von frommer Frohnatur.

Fernab von Stolz, Impertinenz,

und eher grau als Eminenz.

 

Er lebt die Lehre ohne Bruch,

katholisch blieb sein Stallgeruch.

Liebt wie sein Lehrer das Barock,

Nicht prügelt mit dem Hirtenstock.

 

Zwar ist zwischen gestern und morgen

unsagbar wenig geschehn.

Da Gottes Gedanken verborgen,

kann mancher das nicht ganz verstehen.

 

Was nun aber den Kardinal betrifft,

so mangeln ihm folgende Tugenden nicht:

Heimisch als Hirt, besonnen, mild,

führt gern die Sanftmut stolz im Schild.