Mit zarten sechsundachzig Jahren
die Knochensäge zu erfahren,
ist keineswegs ein Honiglecken –
konnt Margit aber nicht erschrecken.
Wer sieben Töchter hat geboren,
ist auch im Alter nicht verloren.
Sie wird auch das noch wegderstecken,
bringt sie noch lang nicht um die Ecken.
Denn Frauen sind sehr leidensfähig,
voll Mut. Die Männer – bloß behäbig.
Die bilden viel zu viel sich ein,
das meiste ist mehr Schein als Sein.
Ein starker Mann wohl hilfreich ist,
sofern er nicht verkennt, vergisst,
dass falsch ist, wenn man permanent
schwach das Geschlecht der Frauen nennt.
Sanft ist der Quell, doch höhlt den Stein.
Auch Herzen sollten weicher sein.
Ein stolzer Held sei dann nur hart,
wenn er‘s dem Schwächeren erspart. –
Nun ist die Hüfte ausgetauscht,
kein Gift die Margit mehr berauscht.
Ein Hoch dem Arzt, der Wissenschaft,
die solche Wunder möglich macht!
Wir alle – Kinder, Frauen, Mann –
stelln uns als Gratulanten an.
Was wärn wir, Margit ohne dich?
Schön deprimiert am runden Tisch!
Es wollen noch ein bisschen leben
du und der Freunde Rest daneben.
Gott und das Schicksal machen Mut.
Bis jetzt sie meinten‘s mit uns gut.
Nach Haidach kehr gestärkt zurück.
Mit Köstlichkeiten uns entzück.
Sie halten Seel und Leib zusammen,
ganz ohne Macken oder Pannen.