Zwei Zwillinge gemeinsam waren

im Uterus noch unerfahren,

Vernunft erwachte, regt sich schon;

man führte eine Diskussion.

 

Der eine sprach: Ich konnte hören,

bald werd uns hier ein Vorfall stören,

um eine neue Welt zu sehen.

Der Weg wär eng, nicht angenehm.

 

In unsrer großen Dunkelheit

da wären wir nun bald so weit,

dass wir den Schmerz ertragen können,

uns von der Mutter Schoß zu trennen. –

 

Ach was, der andre unwirsch sagt,

dem solcher Unsinn nicht behagt:

Was ich nicht seh von Angesicht,

das gibt es nicht, das spielt es nicht.

Und überhaupt, wer solches glaubt,

der schildere mir, was er da schaut.

 

Der kleine Gläubige stellt sich vor,

er werde hören mit dem Ohr,

und werde essen mit dem Mund,

Bewegung machen, was gesund.

 

Nein, nein, verdammt und nochmals nein,

ein solcher Wahnwitz kann nicht sein.

Denn unser Mund ist viel zu klein.

Wir essen durch die Nabelschnur,

bewegen uns ein Stückchen nur. –

 

Doch, doch, das wird ganz anders werden.

Wir könnten wandern auf der Erden.

Wir werden unsere Mutter sehen

und selbst in hellem Lichte gehen.  –

 

Das ist zu schön, um wahr zu sein.

stupider Traum vom Sonnenschein.

Und Wehen sollen dazu frommen?

Noch nie ist wer zurückgekommen.

 

Dies Märchen wäre abzuschminken,

nicht der Erkenntnis nachzuhinken:

Das Leben ist ein Jammertal,

und dunkel ist es allemal.

 

Die Mutter? Wie soll die denn sein?

Und wo? Das bildest du dir ein.

Davon hab ich noch nichts bemerkt,

was derlei Illusionen stärkt.

 

Was? Dass ich in der Mutter wohn?

Nein, so etwas ist Projektion.

Ein eitler Wunschtraum, weiter nichts.

Die Fantasien eines Wichts. –

 

Sei still und hör in dich hinein.

Wer singt so schön, wer kann das sein?

Wer streichelt manchmal unsere Welt,

dass Liebe sie zusammenhält? –

 

Lass mich in Frieden und allein.

So wie ich bin, so lass mich sein.

Werd ich am Ende noch bestraft,

weil ich nicht glaub, was du da sagst? –

 

Das freilich weiß ich nicht genau.

Ist wohl nicht wichtig, dass ich’s schau.

Vielleicht ein Klaps vonnöten ist,

dass deine Zweifel du vergisst,

dein Leben nun beginnen kann.

Ach freu dich doch und glaub daran.